
€ 10.00
Mit Film-Soundtracks ist das so immer eine Sache: Entweder sie sind grottenschlecht und verschwinden schnell wieder aus dem Regal und Kopf, oder aber sie nerven noch Monate nach der Filmpremiere. Doch ein mittelmäßiger Soundtrack, der nicht schnell verschwindet und nicht nervig wird – klingt nicht gerade nach der großen Erfüllung. John Murphy hat es vor einigen Jahren geschafft mit seinem Soundtrack zu „28 Days Later“, einen Soundtrack zu kreieren, von dem man sich Monate nerven lassen wollte, weil er einfach gut war.
Monomango aus Berlin versuchen gleiches mit „Revolucionarios“, dem Soundtrack zur Dean Reed-Doku „Der rote Elvis“. Erzählt wird die Geschichte eines amerikanischen Popstars, der sich dem Sozialismus verschrieb. Der als Freund von Jassir Arafat und Salvator Allende die Freiheitskämpfe im Libanon und in Chile unterstützte und schließlich in der DDR landete und bis zu seinem Freitod auch in der "Zone" lebte.
Ein Dok-Film über einen Cowboy, Rockstar und Sozialist, über eine der geheimnisvollsten Ikonen der globalen Popkultur zu Zeiten des Kalten Krieges.
Für den Soundtrack verwenden Monomango einerseits Dean Reeds Songs aus seiner Chile-Zeit, welche noch stark an Country, Rock’n’Roll und Revolutionslieder erinnern und stark nach Elvis klingen. Andererseits bringen sie auch Eigenkompositionen ins Spiel, die der Unterstreichung diverser emotionaler Momente dienen soll. In solchen Stücken wird dennoch oft mit Dean Reeds Stimme gearbeitet, so dass auf der ganzen Platte das Motiv nie verloren geht.
Eröffnet wird der Soundtrack mit „In The Search Of Dean“, welches beginnt, wie eine alte Rock’n’Roll-Ballade, dann setzt ein leicht mit verzerrter Bassdrum versehenes Schlagzeug ein und Dean Reed beginnt zu singen. Über Kopfhörer erlebt man hier ein besonderes Klangerlebnis durch den Flanger, der auf Deans Stimme gelegt ist. Siehe da: Ein tanzbares Stück Indierock ist entstanden. Ebenfalls charakteristisch ist die scheppernde Gitarre von Olivier Fröhlich, die man beispielsweise bei „Revolucionarios“ hört, gepaart mit erneut gut gemischten Drums und wieder mal Deans Stimme, die auch in diesem Song perfekt passt.
Wie die anfänglichen Rock’n’Roll-Nummern mit kleinem Elektro-Einschlag klingen dann auch „Jericho“ und „Annabelle“, jedoch werden sie dabei nicht langweilig. Die alten Reed-Songs wurden entstaubt, auf ein neues Level gehoben und klingen trotz des rohen Sounds ziemlich modern. Experimenteller wird es dann mit „Zur Sonne“ und „Zum Mond“, die schon eher in die Elektro-Richtung gehen. Dadurch aber entsteht ein schönes Ambiente – und das funktioniert auch ohne Film. Der Rest der Platte fährt größtenteils auf der Indietronic-Schiene weiter und klappert dabei das komplette Farbspektrum des Indietronic-Regenbogens ab. Mit „Rebel“ wird noch einmal ein rockigeres Stück eingeschoben, welches sich aber perfekt ins Gesamtbild einfügt.
„Our Love“ schließt die Platte ab, ein Song, der sich anfangs hocharbeitet und dann umschwenkt in einen Dean Reed-Lovesong, der dann wieder abgelöst wird, vom eigentlichen Song. Man könnte fast sagen: Eine wunderbare Darstellung einer kontroversen, zerrissenen Persönlichkeit.
Mit „Revolucionarios“ haben Monomango einen tollen Soundtrack auf die Beine gestellt, der auch sehr gut ohne den Film funktionieren kann. Einmal reinhören ist das mindeste, was man hier tun sollte, da dieses Experiment hörenswert ist und sehr gut umgesetzt wurde.